Narkosis – 2.-5. November 2017 Open Spaces #3, Berlin

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Narkosis, Stillshot

EINE RAUMCHOREOGRAPHIE VON MORITZ MAJCE + SANDRA MAN

im Rahmen von Open Spaces#3 – 2017

Narkosis ist die Stelle, an der sich das Auge in seine Höhle dreht. An der ich anders zu sehen beginne. Ein Schauen, das in mir etwas anderes öffnet, ein neuer Raum entsteht. Ein Weltraum aus Körperhöhlen, in sich verschlungenes Innen und Außen, leuchtendes Echo eines künstlichen, ursprünglichen Schlafs. In jedem Ich scheint seine Stille, in jedem Blick spiegelt sich Trunkenheit. Im Halbdunkel zwischen Bildern und Körpern, Hören und Sehen, zwischen mir selbst und den anderen schwebt Narkosis als Raum und Zustand.

In ihren Raumchoreographien entwerfen Sandra Man und Moritz Majce Zuschauerräume, in denen Schauen und Hören zu unmittelbaren körperlichen Erfahrungen werden. Ihr Zugang sucht nach etwas anderem als dem spiegelbildlichen Gegenüber von Darsteller und Publikum. In »Narkosis« machen sie dieses narzisstische Verhältnis zum Thema und versetzen es in einen Schwebezustand: Zwischen Narzissmus als Gegenwartssymptom und dem antiken Mythos von Narziss und Echo, zwischen Blick und Stimme, Bild und Körper entfaltet sich ein Gleiten und Driften, das Selbstverliebtheit in Selbstvergessenheit verwandelt und den Zuschauerraum zu einer Höhle werden lässt.

IDEE + UMSETZUNG: Moritz Majce + Sandra Man STIMME: Christine Börsch-Supan TANZSOLO: Charlie Fouchier RAUMCHOR: Ayam Am, Sasha Amaya, Zoé Alibert, Philipp Enders, Falk Grever, Katherine Gorsuch, Valérie Kommer, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Benjamin Pohlig, Susi Rosenbohm, Fausta Scarangella, André Uerba, Marie Zechiel

Dank an Enrico L’Abbate und Nir Vidan für erste Versuche zu Blick und Tanz. An Lakeside Labs GmbH Klagenfurt für die Unterstützung bei den Videoaufnahmen mit einer Drohne und an Franz Habich für die Steuerung. Dank auch an die Agrargemeinschaft Nachbarschaft Söbriach in Kärnten / Koroška für den freundlichen Zugang zu einer ihrer Almen.

Foto: © Moritz Majce + Sandra Man, 2017

Eine Produktion von Moritz Majce + Sandra Man, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, unterstützt von der Tanzfabrik Berlin und der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)

Premiere: 2. November 2017, 19 Uhr

Weitere Aufführungen: 3. (19 Uhr) , 4. (20.30 Uhr) und 5. (20.30 Uhr) November 2017
Samstag, 4.11. After Talk im Anschluss an die Vorstellung

Online Ticket kaufen

Tanzfabrik Berlin • Uferstraße 23 • 13357 Berlin
Eintritt: 14 € / 9 € • www.tanzfabrik-berlin.de


Notizen zum Zuschauen

Unsere Arbeiten sind »Raumchoreographien«, weil es in ihnen um die Beweglichkeit des Raums und die Räumlichkeit von Bewegung geht. Uns interessiert die Gleichzeitigkeit dessen, was geschieht, mit dem, wo es geschieht; so, dass der Ort des Geschehens nicht vor dem Geschehen liegt, sondern mit ihm entsteht. Eine Raumchoreographie ist kein Bühnenbild, in dem eine Handlung stattfindet; sie ist auch keine Installation, die einen Raum ausstellt. Wir sehen Raumchoreographien jenseits von Bühnenbild und Installation und jenseits von Aufführen und Ausstellen. Das wirft die Frage auf, was die an einer Raumchoreographie Teilnehmenden eigentlich tun, wie sie es tun und wer oder was sie dabei sind. Und zwar stellt sich diese Frage für beide Aspekte des Teilnehmens, die des Machens ebenso wie die des Zuschauens. Wir verstehen die an einer Raumchoreographie beteiligten PerformerInnen als Raum-Chor und ein Raum-Chor bestimmt sich dadurch, dass er mit seinen Bewegungen – körperlich und/oder stimmlich – einen Raum entstehen lässt. Dieses Raum-Schaffen umfasst auch die, die eine Raumchoreographie besuchen. Was heißt dieses »Umfassen« der BesucherInnen und wie besucht man eine Raumchoreographie?

Gegenüber und Geschehen

Im Wesentlichen schaut man in Aufführungen Subjekten beim Handeln zu und in Ausstellungen schaut man Objekte in ihrer Form und Gestalt an. In Aufführungen sitzt man, in Ausstellungen steht und geht man; im einen Fall bewegt sich das, dem man zuschaut, man selbst aber nicht; im anderen Fall bewegt man sich selbst, und das, was man anschaut, ist unbeweglich. Die Aufführung verläuft in der Zeit, man folgt als ZuschauerIn etwas (Handlung, Geschichte, Dramaturgie…), das sich entwickelt, jedenfalls im Laufe der Zeit ergibt; die Ausstellung ist räumlich, vieles ist gleichzeitig da, man geht als BesucherIn durch, betrachtet etwas von allen Seiten. In der Aufführung schaut man einer Bewegung zu, in der Ausstellung ist man selbst in Bewegung. Wenn man so in Ausstellung und Aufführung denkt, ist die Bewegung Aktivität und entweder auf Seiten des performenden oder des besuchenden Subjekts. Sie ist aber kein räumliches Geschehen, das sich zwischen allen Beteiligten ereignet.

Was ist, wenn sich Bewegung anders verteilt, wenn sich zum Beispiel alle bewegen und bewegen lassen, nicht nur entweder die PerformerInnen oder die BesucherInnen? Und was ist, wenn diese Bewegung aller nicht zum Zweck einer Interaktion, eines Dialogs oder Austauschs zwischen den Beteiligten geschieht? Wenn nichts außer diese Bewegung selbst stattfindet, nichts zusätzlich zu ihr hinzukommt – keine Aufgabe, keine Geschichte, keine Handlung, keine Aktion etc. Wenn es also um eine den ganzen Raum und alle Beteiligten umfassende Bewegung geht, die sich selbst ausstellt. – Wo und wer oder was ist man dann als ZuschauerIn und wie sieht man sowas zu und ist das, was man tut, Zuschauen oder etwas anderes?

Erfahrung und Struktur

Wenn man unsere bisherigen Raumchoreographien auf das hin betrachtet, was Zuschauen in ihnen sein kann, kommt man auf Arten der Teilnahme an einem räumlichen Geschehen. Es gibt eine Transformation des Zuschauens selbst, wenn sich nicht Subjekt und Objekt, aktiv und passiv gegenüberstehen, wenn Zuschauen nicht bedeutet, etwas zuzuschauen, sondern eine räumliche Erfahrung zu teilen. Teilen heißt nicht, dass PerformerInnen und BesucherInnen »gleich« werden oder dasselbe tun (sollen), sondern es findet vor oder jenseits der Identifikation als PerformerInnen oder ZuschauerInnen statt. Es geht um Zuschauen als Erfahrung und Struktur. Mit Struktur ist gemeint, dass das, was »Zuschauen« heißt – allgemeiner: die Art und Weise, wie man als BesucherIn teilnimmt – mitten in der künstlerischen Arbeit selbst liegt, von ihr mit hervorgebracht wird und nicht das ist, was erst dann passiert, wenn eine Arbeit »fertig« ist. Zuschauen findet viel früher statt und liegt viel tiefer in einer Arbeit drinnen, als man zunächst denkt. Man denkt so, weil man ohne Publikum probt und Zuschauen für das hält, was erst kommt, wenn man nicht mehr probt. Das macht die Sache kompliziert und widersprüchlich: Während das, wie man eine Arbeit erfährt, ganz tief in ihrem Entstehungsprozess wurzelt und zu ihrem Wesen gehört, sind ZuschauerInnen zugleich das, was sich dem Produzieren entzieht. Im Unterschied zu den künstlerisch Beteiligten – dem Raum-Chor – probt und trainiert man eben normalerweise nicht mit Publikum. Je mehr es um Räumlichkeit als alle umfassendes Geschehen geht, desto wesentlicher und greifbarer wird dieser Unterschied, desto mehr kann und muss man auch mit ihm arbeiten und über ihn nachdenken. Man muss sich damit beschäftigen, welche Einladung zu welcher Art des Teilnehmens in einer Arbeit steckt und auf welche Weise ZuschauerInnen auf sie vorbereitet und aufmerksam werden. Letztlich geht es darum, jede Arbeit auf das hin zu betrachten, welches Zuschauen sie hervorbringt. Für ZuschauerInnen heißt das in erster Linie, die Einladung zur Teilnahme an einer Arbeit wahrnehmen zu können und zu erkunden, wie man zuschauend ein Teil von ihr ist.

Festung / Europa (2015)

Festung / Europa beginnt als Ausstellung, die BesucherInnen gehen Gemälde betrachtend umher, die PerformerInnen sind zunächst unsichtbar, die Wandelemente stehen statisch im Raum, die Bilder sind an ihnen angebracht. Im nächsten Schritt beginnen sich die PerformerInnen zu bewegen, die Wände öffnen sich, geben einen Zuschauerraum frei, die BesucherInnen setzen sich. Es findet ein Wechsel in der Bewegung statt: Die, die vorher stillstanden, bewegen sich nun, die, die umhergingen, setzen sich.

Was dann folgt, lässt sich so sehen: Eine Ausstellung zieht in der Zeit vorbei, führt sich in gewisser Weise auf. Als Publikum sieht man einer sich bewegenden Installation zu. Die Wandelemente werden immer wieder rekonfiguriert, die PerformerInnen tragen und verschieben sie, die Gesichter dabei zu den Wänden, man sieht sie nur von hinten, sie verschmelzen fast mit den Wandobjekten, die Objekte werden fast zu Protagonisten. Der Zuschauerraum liegt in der Mitte des Geschehens, der Raum baut sich rundherum um, man sieht also nur einen Ausschnitt, immer geschieht etwas auch hinter einer/m. Zugleich sitzt man im Zuschauerraum so aufeinander ausgerichtet, dass man immer auch andere ZuschauerInnen im Blick hat und selbst von anderen (an)gesehen wird. Man selbst ist sehr exponiert, während es zugleich zwar durch die sich permanent verändernde Räumlichkeit einen zeitlichen Verlauf gibt, aber weder Individuen, die etwas darstellen, noch eine Handlung, der man folgen könnte oder müsste.

Wahrscheinlich ist die Gesamtlage etwa die: Eine Installation wird bewegt, die PerformerInnen werden zu Bestandteilen, die Bestandteile werden zu Protagonisten, die ZuschauerInnen werden zu Exponaten. Auf gewisse Weise finden sich alle in einer sich bewegenden und sich in dieser Bewegung selbst ausstellenden Räumlichkeit wieder. In der Veränderung dessen, wer was wie ist (Objekt, Exponat, Protagonist) tritt ein Raum auf, in den alle eingelassen sind. Den alle teilen, auch wenn sie – PerformerInnen, ZuschauerInnen – nicht interagieren und nicht dasselbe tun. Teil dieser Räumlichkeit zu sein und diese Räumlichkeit zu teilen, ist das, was passiert. Mehr oder anderes geschieht nicht. Als ZuschauerIn kann ich mich auf dieses Geschehen einlassen, also daran teilnehmen im Wortsinn, indem ich mein eigenes mit-Ausgestelltsein, mein eigenes mit-Exponiertsein sehe, empfinde, wahrnehme, mich ihm überlasse und hingebe. Dann bin ich drin und dabei, ich nehme teil, ohne im Sinne eines Interagierens etwas Bestimmtes zu tun. Es ist ein sehr körperlicher Vorgang und hat mit Entspannung und Ruhe und Geschehenlassen zu tun. Wenn das passiert, wenn ich loslasse und nicht etwas (verstehen, unterhalten werden…) will, geht die Arbeit durch mich durch und kann tatsächlich im Zwischen stattfinden, im aufeinander-Bezogensein aller Anwesenden. Es verlangt aber von mir als ZuschauerIn einen Wechsel in dem, wie und worauf ich schaue. Solange ich gespannt bin und das suche, was man Handlung nennen kann oder Geschichte oder Aussage oder Konzept, solange mich das interessiert, was man als Können der PerformerInnen verstehen kann, sehe ich nichts. Auf dieser Ebene ist auch wirklich nichts, es findet nichts statt. Der Blick, der etwas verstehen oder etwas raffiniert und gekonnt finden will, geht ins Leere. Wenn es aber gelingt, das, was geschieht, mit mir einfach geschehen zu lassen, findet in mir als ZuschauerIn eine Transformation statt: Ein »ich schaue etwas zu« wird weniger, aus mir wird eine Berührungszone und ich empfinde eine Intensität.

Notizen zu Choros III (Koroška)

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Choros (III) Koroška, Ausstellungsansicht, Foto: Kunstraum Lakeside / Johannes Puch

Im Sommer 2017 arbeiteten wir zusammen mit der Sängerin und Performerin Christine Börsch-Supan mehrere Wochen im Freien, in den Bergen, den Hohen Tauern in Kärnten/Koroška. Wir setzten unsere künstlerische Forschung zu Stimme, Raum und Bewegung fort, mit der Absicht, erstmals nur draußen, in der Landschaft zu arbeiten und deren akustische, visuelle und choreographische Möglichkeiten kennenzulernen. Das Ergebnis unserer Arbeit zeigten wir von 8.9. bis 6.10.2017 als Video- und Soundinstallation im Kunstraum Lakeside in Klagenfurt/Celovec, kuratiert von Nora Leitgeb.

Der Sommer 2017 war charakterisiert von klimawandelbedingten Wetterextremen, der Süden Europas verbrannte in der Sonne, während der Norden im Regen ertrank. Unsere künstlerischen Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Natur stellen sich auch aus den massiven klimatischen Transformationen heraus, denen unser Lebensraum ausgesetzt ist.

Choros

Seit einigen Jahren beschäftigt uns in unserer künstlerischen Arbeit der Raum und im Laufe der Zeit haben wir begonnen, Raum und Bewegung zusammen zu denken. Bewegung als eine Art »Räumen« – Einräumen, sich Raum geben und Raum schaffen – hat uns zum antiken Chor geführt, z.B. in den künstlerischen Forschungsprojekten Choros I + II, und dieser wiederum zur Landschaft. Der antike Chor vor dem Beginn des Theaters war ein singender und tanzender Chor, der keine fixe, architektonisch vorgegebene Bühne hatte, sondern im Freien auftrat. Er bereitete sich seine Bühne durch sein Tun; zuerst einfach, indem er im Reigentanz eine Kreisfläche in den Erdboden stampfte. »Choros« ist der Name für diesen antiken Chor, den Reigen und den Ort, an dem er tanzte. Diese Gleichzeitigkeit von Bewegung und Ort interessiert uns: Es gibt Choros als Tanzplatz nicht vor dem Chor, es gibt die Bühne nicht vor dem Tun. Wir suchen Weisen, in denen das, was geschieht und wo es geschieht, gleichzeitig entsteht und miteinander einhergeht.

Intimität der Weite

Die Landschaft als offener Raum, Ort des Zusammenwirkens von Elementen und Kräften, nicht primär von Menschen gemacht und bewohnt, eine von geologischen Dauern und Umwelteinflüssen abhängige, ausgesetzte und unberechenbare Umgebung. – Wir haben uns in unserer Arbeit im Freien auf dieses Offene der Landschaft eingelassen. Weder sind wir in den Bergen gewandert, um einen Gipfel zu erreichen, noch ging es uns um die Landschaft als Kulisse. Wir sind immer wieder an dieselben wenigen Stellen gegangen und wir sind sehr lange dort geblieben. Ohne dass wir es vorher gewusst oder geplant hätten, waren es schließlich Hochböden, die uns am meisten anzogen. Das sind flache Stellen, die sich nach steilen Hängen und vor felsigen Wänden – also mitten in der die Berge dominierenden Vertikalität – in die Horizontale öffnen. Hier bestimmen nicht so sehr Höhe und Tiefe und mit ihr verbunden Überwindung und Abgrund die Landschaft und ihre Affekte, sondern Weite. Auf diesen Hochebenen haben wir immer wieder viele Stunden verbracht, uns aufgehalten und Licht, Luft, Untergrund, Geräusche auf uns wirken lassen. Mit und aus diesen Elementen haben wir Körperbewegungen und Weisen des Sprechens und Tönens gefunden. Wir haben mit der Landschaft, der Beschaffenheit der Umgebung gearbeitet, uns für sie durchlässig gemacht, aber nicht mit der Absicht, mit ihr zu verschmelzen. Christines Bewegungen und ihre Stimme stehen heraus aus der Landschaft und sind zugleich in sie eingelassen. Was geschieht, ist kein Einswerden, sondern eine Zuneigung. Im langen Verweilen an einem Ort und dem körperlichen, sinnlichen Sich-öffnen auf die Landschaft, im Spüren ihrer Elemente – im Mittönen mit einem Windhauch, im Tanzen auf den Grashalmen und im Gehen auf den Steinen im Bach – entsteht eine Intensität, die sich einem ganz bestimmten Verhältnis von Nähe und Weite verdankt: Im menschlichen Körper, der mit der Luft tönt, den Stein spürt, sich im Gras wälzt, kommt sich die Weite ganz nahe.

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Choros (III) Koroška, Ausstellungsansicht, Foto: Kunstraum Lakeside / Johannes Puch

Atmender Blick

Wir haben uns lange an Stellen im Gebirge aufgehalten, die für sich genommen kein Ziel sind, und die abgelegen sind, auf wenig begangenen Routen; Stellen, durch die man, wenn überhaupt, nur durchwandert, wenn man unterwegs ist zu einem Gipfel oder einer Hütte. Wir haben an diesen Orten die Umgebung hörend, sehend, spürend wahrgenommen und uns intensiv mit dem Verhältnis des menschlichen Körpers zu dieser Umgebung beschäftigt. In mehrfachem Sinn sind dabei »Aufnahmen« entstanden: der Körper, der die Landschaft aufnimmt, indem er in ihr verweilt und sich mit und in ihr bewegt; und Ton- und Videoaufnahmen dieser Stimm- und Körperbewegungen.

Die Videoaufnahmen stehen in Bezug zur Landschaftsmalerei, wenn es bei dieser darum geht, Landschaft erst auf bestimmte Weise ins Bild zu setzen und sehen zu lassen; also nicht Abbild von etwas zu sein, sondern eine Sicht hervorzubringen, die zum Gesehenen dazugehört. Die Videos sind so gefilmt, dass der sie aufnehmende Blick körperlich mit da ist, er sieht mit, er atmet mit; als ZuschauerIn sieht man in der Bildbewegung das Atmen, den Puls, das Gewicht des filmenden Körpers, die Schwerkraft, die auf ihn wirkt. Und auch im Bildraum selbst organisiert sich alles um den Bezug von Ruhe und Bewegung; man sieht eine Verteilung von Unbewegtem und Bewegtem, die den menschlichen Körper und die Umgebung aus Licht, Wind, Wasser, Wolken aufeinander bezieht und alle Elemente durchzieht: Manchmal ist der Körper ganz still und lässt so den Verlauf von Wasser, Sonne, Wolken hervortreten und sichtbar werden, manchmal fügt sich der Bewegungsrhythmus des Körpers in den des Lichts, des Winds oder des Bachs. So atmet jedes Bild selbst als ganzes und in jedem Bild sieht man ein Zusammenspiel verschiedener Rhythmen; je länger man schaut, je mehr man sich in die Bilder versenkt, desto mehr, vielfältiger und feiner werden die verschiedenen aufeinander bezogenen Elementarbewegungen.

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Choros (III) Koroška, Ausstellungsansicht, Foto: Kunstraum Lakeside / Johannes Puch

Hörende Stimme

Die Stimme bewegt sich mit dem Wasser, dem Wind, dem Surren der Insekten, sie ist eine weitere Tonspur, die sich in die Umgebung einfügt. Mit diesem Einfügen macht sie sich selbst und die anderen Töne hörbar, sie ist nicht der Vordergrund zu Geräuschen im Hintergrund, sondern im Mittönen mit dem Bach und der Luft tritt das Zusammenspiel hervor. Wie bei den Körperbewegungen und manchmal auch gleichzeitig mit ihnen geht es auch bei der Stimme um eine Teilnahme an den elementaren Bewegungen und Geräuschen der Landschaft. Um ein tönendes, vibrierendes Mitatmen mit der Luft und den Lauten, die einerseits schon da sind und die man vorfindet, wenn man hinausgeht ins Freie, die aber zugleich auch erst auftreten und erscheinen, wenn sie zum Tönen der Stimme dazukommen. Christines Stimme nimmt die Landschaft auf, sie klingt aus dem Hören heraus, setzt ein in das, was sie hört, bringt das Gehörte in die eigene Stimme. Aus den Aufnahmen dieses hörenden Mitschwingens entsteht die Klangumgebung für die Zuhörenden.

Freies Schreiben

Die in Choros III (Koroška) gesprochenen Texte stammen aus einem Zyklus mit dem Titel Ins Freie und sind Naturlyrik. Sie beschreiben einen Raum, in dem ein Körper ein anderer wird, noch einmal ausgetragen, immer wieder, vom Boden, von der Erde, vom Weltraum. Sie sprechen von diesem Raum als einem freien. Die Texte wollen von diesem Freien schreiben und von diesem Freien her schreiben, sie wollen (sich) frei schreiben und ein Freies schreiben. Sie versuchen eine Umkehr, die dem gleicht, worum es auch bei den Bewegungen, den Bildern und der Stimme geht: Immer weniger von sich her, von einem selbst aus etwas tun, als von woanders her – der Landschaft, der Umgebung, der Natur – aufnehmen und in Bewegung versetzt werden. Nicht nur als Befreiungsrichtung ins Freie hinaus wollen, sondern sich auch vom Freien angehen und im Freien berühren, verändern lassen. Im lyrischen Schreiben ist dieses Freie nicht nur ein Motiv oder Thema, sondern auch und vor allem eine Bewegung – die des Rhythmus’ und des Klangs der Sprache. Im Klingen der Worte und ihrem Fluss hört man auch ein Freisein von ihrem sonstigen Nutzen, von Information oder Kommunikation.

Choros III (Koroška) @ Kunstraum Lakeside, Klagenfurt 8.9.–6.10.2017

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Choros (III) Koroška, Stillshot

Seit 2010 arbeiten die Autorin und Choreographin Sandra Man und der bildende Künstler und Choreograph Moritz Majce zusammen. Ihre gemeinsame Arbeit zeichnet aus, Choreographie nicht aus dem Blick der darstellenden, sondern aus dem der bildenden Kunst zu verstehen und zu machen: als Raumkunst.

Für die Ausstellung Choros III (Koroška), von den beiden als künstlerisches Forschungsprojekt zu Chor(eographie) konzipiert, erarbeiten sie im Sommer 2017 chorische Konstellationen im Freien als Auseinandersetzungen mit den spezifischen räumlichen Bedingungen von Landschaft als »Natur«, ihrer Rezeptionsmöglichkeiten, ihrer Akustik, ihrer Perspektive und ihres Horizonts. Parallel dazu wird im Kunstraum eine Ausstellung errichtet, die sich ebenfalls als eine Art »Landschaft« aus Ansichten und Klängen zusammensetzt.

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Choros (III) Koroška, Stillshot

Die Arbeit beinhaltet verschiedene Elemente des »Chorischen«, des altgriechischen Choros, der Bezeichnung für Reigen, Tanzplatz und die auf ihm Tanzenden, die Verknüpfung von Tanz, Theater und Musik. Der Chor wird wahrgenommen als räumliches Geflecht sinnlicher Bezüge. In einer direkten Auseinandersetzung mit dem Publikum realisiert sich die Raum-Choreographie unabhängig von den verwendeten Medien als Bewegung zwischen den einzelnen Elementen und dem Publikum. Wesentlich dafür ist die unmittelbare Begegnung mit der Landschaft Kärntens, die als Produktionsumgebung für Stimm- und Bildaufnahmen diente, denn sämtliche Aufnahmen sind im Freien, im alpinen Raum, entstanden. Körper und Stimme verstehen sich als Teil der Natur und reagieren auf die Witterung und die topografischen Gegebenheiten. Jenseits der politischen Vereinnahmung von Landschaft und Chor denkt die Arbeit Verbundenheit neu als mehrdimensionales Landschaftsgefüge, das absolut unverfügbar ist und niemandem gehört.

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Choros stomped @ Tanzböden, Polinik

The author/choreographer Sandra Man and the visual artist/choreographer Moritz Majce have been working together since 2010. What distinguishes their collaboration is that they view and produce choreography not from the perspective of the performing arts but rather as a visual art: as art in space.

For the exhibition Choros III (Koroška), conceived by the duo as an artistic research project on the choir and choreography, they have developed outdoor choral constellations as a way of engaging with the specific spatial conditions of landscape as “nature”, and with the possibilities for its reception as well as with its acoustics, its prospects, and its horizon. In parallel, an exhibition will be presented at Kunstraum Lakeside that is also composed as a kind of “landscape” of various views and sounds.

The work includes various elements of the “choral”, including the ancient Greek term choros, meaning circular, sung dance; the dance floor and those who dance upon it; and the linking of dance, theater, and music. The choir is perceived as a spatial network of sensory relations. In a direct confrontation with the audience, the spatial choreography is realized independently of the media used as a movement between all elements and the audience. Vital to this exercise is the direct encounter with the landscape of Carinthia, which served as the production setting for all voice and video recordings, all of which were made outdoors in the alpine region. Body and voice are seen as part of nature here, reacting to the weather and the topographical conditions. Reference is also made to the political and ideological appropriation of the landscape and the choir in the course of history, whereby the work does not merely take up this critical thread but rather reconceives landscape, choir, and space as a multidimensional fabric that is not there for the taking and belongs to no one.

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Choros (III) Koroška, Making Of @ Striedensee

IDEE + KONZEPT: Moritz Majce + Sandra Man
STIMME + BEWEGUNG: Christine Börsch-Supan
OUTSIDE EYE: Katharina Wallisch
KURATORIN: Nora Leitgeb

Wir bedanken uns bei Lakeside Labs GmbH für die großzügige Unterstützung bei den Videoaufnahmen mit einer Drohne und bei Franz Habich für die Steuerung, sowie bei der Agrargemeinschaft Nachbarschaft Söbriach für den freundlichen Zugang zu einer ihrer Almen.

Eröffnung: 7. September 2017, 18.30 Uhr

Kunstraum Lakeside • Lakeside B02 • 9020 Klagenfurt
www.lakeside-kunstraum.at • +43 463 22 88 22-20

Choros II

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Choros, Juni 2017

Choros ist Forschung an Verbindungen. Wir schauen, sprechen, hören, berühren und bewegen uns aus den Relationen untereinander, zu den ZuschauerInnen und dem Raum heraus. Die Essenz eines Chors ist die Verbundenheit der Teilnehmenden untereinander. Das Zusammensein mehrerer und ihr gemeinsames Tun ist das Faszinierende eines Chors. Diese Gemeinschaft zeichnet ihn aus und sie teilt er mit den ZuschauerInnen. In einer Gegenwart, die als individualistisch bis zum Narzissmus, detached bis zur Isolation und vereinsamt bis zur Depression erfahren wird, ist ein Gemeinsames ebenso fragwürdig wie anziehend wie verführerisch. Wir suchen und experimentieren mit der Frage, was ein Chor sein könnte vor dem Hintergrund dieser persönlichen, politischen, gesellschaftlichen Erfahrungen und Bedrohungen. Wir wollen als Antwort darauf die chorische Verbundenheit als eine verstehen, die mit den Beziehungen untereinander spielerisch umgeht und so nicht vereinheitlicht, sondern allen Teilnehmenden Raum gibt und lässt. Wir sehen den Chor als eine Weise geteilter – auch mit den ZuschauerInnen geteilter – Freiheiten und Spielräume: Wir wollen mit den Räumen zwischen uns, zwischen den Zuschauenden und den Performenden spielen. Jenseits von totalem Ichbezug und geschlossenen Gesellschaften wollen wir mit dem Chor ein gemeinsames Offensein füreinander und für die ZuschauerInnen finden und erfahren.

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Choros, Juni 2017

Für das Publikum ist Choros eine Teilnahme-Erfahrung jenseits von still gegenübersitzen und forciertem Mitmachen. Durch die Veränderung der Positionen – sitzen/stehen/gehen/liegen und der Abstände zum Chor – gerät der körperliche Aspekt des Publikum-Seins in den Vordergrund: Wie verändert sich mein Sehen dadurch, wo ich im Raum bin und in welcher Haltung? Wie ändert sich mein Wahrnehmen und Teilnehmen dadurch, dass ich mittendrin bin und nicht außerhalb des Geschehens? Welche unterschiedlichen Energien gehen von den anderen ZuschauerInnen aus, je nachdem, wo sie sich befinden? Wo fällt es leichter, sich zu öffnen, in welchen Konstellationen entsteht ein gemeinsamer Sog, wo ist es eher distanzierter? – Solche Fragen tauchen in Choros zum Verhältnis von Zuschauenden und Chor auf und wir verstehen die Arbeit auch als ein »Zuschauertraining«. Es geht uns um mehrdimensionale und körperliche Zuschauererfahrungen.

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Choros, Modellansicht

»Chor« heißt für uns nicht Verpflichtung zu einer übergeordneten Einheit, sondern sich einlassen auf die vielfältigen Bezüge untereinander. Ein Chor ist für uns weder die Addition von Einzelnen, noch ein Kollektiv. »Chorisch« ist ein Miteinander aus Blicken, Bewegungen und Stimmen als Bezug zum Publikum. ZuschauerInnen sind nicht einem Geschehen gegenüber, sondern gehören – zuschauend, zuhörend – zu ihm dazu.

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Choros, Juli 2017

Die zweite dreimonatige Forschungsetappe zu Choros mit einem achtköpfigen Raum-Chor haben wir gerade abgeschlossen. Wir danken Zoé Alibert, Viviana Defazio, Katherine Gorsuch, Olivia Patrizia-Kunze, Stella Maxeiner, Sonia Noya, Fausta Scarangella und Sinja Völl.

Call for Choreutic Movers: 8+9 July 2017 (+Oct/Nov)

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Narziss Echo, model view

WE ARE LOOKING FOR PEOPLE WITH MOVING/DANCING EXPERIENCE WHO LIKE TO WORK IN A GROUP.

Part 1: 8 + 9 July 2017, 16–20h Uferstudios (can be done separately)
Part 2: 10–14 days rehearsals in October 2017
Part 3: 4 presentations in early November 2017

We are working on a revised version of our piece „Narziss Echo“ (http://www.moritzmajcesandraman.com/narzissecho). The premiere was in March at imagetanz festival in Vienna and there will be presentations in the beginning of November in Berlin at Open Spaces festival of Tanzfabrik. For the performances in Berlin we will be reworking some parts and making new ones. While in the first version we have been working with a single dancer we now want to work with what we call a „space chorus“ of 12–15 people.

The project deals with the relation between audience and performer, engaging in questions of looking and identifying as performing (watching, being looked at, being/performing a spectator); it is an installational setting with a limited amount of audience members. We will play with the inside and the outside of the setting, using the whole space incl. the audience area as the stage and moving spectators only slowly from the frame and the outside into the inside and the seats of „their“ space.

First, there is a video shooting on 8th and 9th July, from 16–20h at Uferstudios. Second, there will be appr. 10–14 days of rehearsal in October. Third, there will be four shows in Berlin in the first November week. We cannot pay for the video shooting, for the presentations in October and November we do have a budget. For more information about our work see www.moritzmajcesandraman.com

If you are interested please send a mail incl. CV to ms@moritzmajcesandraman.com

Open Studio: Call for Audience: 29 June, 4+5 July

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Tryout at 3AM – Filaments and Voids, photo by Rasmus Bell

Thursday, 29 June 2017, 20h30
Tuesday, 04 July 2017, 20h30
Wednesday, 05 July 2017, 20h30

Künstlerhaus, Am Flutgraben 3, 12435 Berlin

Between representation and participation lies the audience space. It is the space where a piece takes place. It is bigger and wider than we usually think and feel. It has more than one side, it is multidimensional. It is your body with all its weight and volume, with all its senses: listening, watching, feeling – in all directions.

Let’s try to see the Zuschauerraum, the space reserved for the audience, differently: not as the space where an audience is placed to watch the piece but as the space an audience is being given by a piece. Let’s understand and experience Zuschauerraum not just as a designated area in a building but as the space of a perceiving audience; a space that is not anyway there before and after the piece but a space that consists of Zuschauerkörper – perceiving living breathing feeling moving bodies full of energies, impulses, desires. Let’s think Zuschauerraum not as the seats you are taking but as the space your bodies are making. Let’s try out and explore this Zuschauerraum in present tense.

It’s common to expect and wish that performers move the audience. Let’s find out what it could be for performers to not only move the audience but be moved by it. Be moved by gazes, breaths, sounds, by the impulses and energy of an audience; by where the audience is and how it is. By an audience who is present, open, aware of all senses and thus transformed in a way that allows to fully explore all sensual dimensions of watching.

What would it need for that – as a training for performers as well as audience members?
Could there be a training that includes and involves an audience as well as performers? Is there a way to work on and explore the act of watching, the energy of perceiving as what moves the performers? What comes out if the performance becomes really dependent on the real presence of an audience? What happens if there is nothing else or behind this being perceived and being perceived becomes being moved?

During the last two months we trained a lot to be open and to use all our senses. We worked on looking, listening, feeling as relations to each other and a flow of contacts as reasons to move and be moved. We would like to find ways of sharing this openness with an audience who wants to become part of the contact zones we try to open up and dive in.

We propose three evenings of rehearsals with audience; we would like to find out more about the experience of being a Zuschauerkörper and about the ways our bodies can be moved by your presence.

WHEN
Thursday, 29 June 2017, 20h30
Tuesday, 04 July 2017, 20h30
Wednesday, 05 July 2017, 20h30

WHERE
Künstlerhaus
Am Flutgraben 3
12435 Berlin
(next to Badeschiff, Arena and Club der Visionäre)

There will be a limited number of participants, please let us know if and when you come by sending an email to sanwoman@icloud.com.

Please be on time, the door downstairs is locked and will open only once at 20h30.

3AM – Filaments and Voids 4.6.2017 @ Flutgraben Berlin

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3AM | Filaments and Voids

Dear 3AM friends,

We cordially invite you to 3AM – Filaments and Voids.

Let’s celebrate together the amazing space at Flutgraben, welcome artistic attractions and distractions, enjoy sound and silence, get together and share an evening of performances, concerts, films, dancing, food and drinks.

When: 4 June 2017, starting at 19.00h
Location: Am Flutgraben 3, 12435 Berlin

with

Brendan Dougherty
Philipp Enders and Adaline Anobile
Charlie Fouchier
Lisa Hinterreithner
Daniella Kaufman and Karoline Strys
Christian Kesten and choir 
Moritz Majce + Sandra Man with Zoé Alibert, Katherine Gorsuch, Olivia Patrizia-Kunze, Sonia Noya, Fausta Scarangella, Sinja Völl
Nikolaus Neuser and Florian Juncker
Sonia Noya
Juliana Piquero, Maya Weinberg, Catalina Fernández, Manuela Schininá
Julia Reidy, Samuel Hall and Liz Kosack
Ilana Reynolds and Ira Hadžić
Daniel Salomon
Lisa Stertz

Entrance free.

ATTENTION! The (orange) door of the main entrance will be open only 5 times for 10 minutes every time: at 19.00, 20.00, 21.00, 22.00 and 23.00h.

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3AM | Warmup

IMPORTANT! For the first time we will also come together before a 3AM to warm up: The participating artists will share with you their thoughts on what they are going to try out at the 3AM event. This get together is itself a tryout in getting in the mood for 3AM.

When: 1 June 2017, starting at 20.00h 
Location: Public and Private Studio at Flutgraben, the door will open at 20.00h and 21.00h

3AM – Filaments and Voids is organised by Katharina Wallisch, Moritz Majce + Sandra Man.
Funded by Senat Department for Culture and Europe. 
Supported by Flutgraben e.V. and Public in Private Studio.

As you know, 3AM is an independent event with a focus on giving value to experimentation and local collaboration. Our frame stays purposefully open to allow for any new forms to emerge. We’d like to offer possibilities for artists to make tryouts that could be useful for their artistic works, therefore we’d like to create an environment that welcomes doing, viewing and experiencing art in its on going creative process.

More about the 3AM background and idea you can find here: http://3am.events

Many thanks to all the participating artists!

Looking forward to dancing with you!

Narziss Echo – Note on fragility (after the first premiere at imagetanz-Festival, Vienna)

Narziss Echo works with micro movements in body and voice and lyrical text. Its substance and material are affects and relations: looking, listening, speaking. Almost in direct contrast to Festung / Europa (2015) where we used very heavy wall elements we work now with waves and impulses – light, sound, nerves; whereas in Festung / Europa a chorus of 28 people was literally carrying the piece it’s in Narziss Echo the single body, the single voice and their technical doubles and extensions who are performing; and while in Festung / Europa the audience was grouped and enclosed it is singularized and detached in Narziss Echo.

The fine and airy connections of gazes and spoken words and the exposure of single bodies make Narziss Echo a fragile piece. Its fragility lies in the very character of the material (micro movement, atmosphere of the voice, lyrical words), in the role of the audience (who is exposed and participating but not interacting), in the spatial and sensual separation of the two performers and in the relation to their respective technical doublings (the interplay of what is live and what is recorded/on video); all of these aspects, elements and strings together make the performance and whether or not all of them find and engage in the right rhythm is the challenge and the risk of the piece every time it is presented.

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Narziss Echo | stillshot

Narziss Echo is precarious and in an almost naïve manner does not protect itself; every little lapse (too slow, too fast relative to what is needed right here and now) in the performance, every technical sound or video problem, every movement and reaction by an audience member can derange it. – But: This risk, this radical unprotectedness and openness to contingency is the piece. It’s a piece that can easily break, fall apart, become vain: the moment when Narcissus recognizes himself in the mirror, the deadly catastrophe of mere superficiality and shallow looks-like-something-but-is-nothing belongs to the piece. It can happen that the piece falls into a vain abyss of identification and sameness. But it can also happen that it relates differently to this moment of narcissist disaster and allows to surf on the flat and slippery surface of the spring. In this piece it is not only the dancer who incorporates Narcissus and who can thus fail but everyone, including every single audience member, and everything, including technical stuff, contributes to and participates in the rhythm that is needed to create the right surface tension for drifting (this interplay of elements and in-betweenness of the performance is btw the reason why we call our pieces „space choreographies“). The spring in and of this piece is the rhythmical tension of gazes, movements, voice, words, the permeability of audience and performers, bodies and technical equipment. In this airy arrangement lies the danger to collapse into narcissist pretentiousness as well as the chance to experience narcotic intensity.

Narziss Echo – Note on the echo space

During the development of the piece the monologue transforms itself into a language cosmos. It is no more a timeline marked by pauses as spaces in-between but it’s the spatial qualities as such becoming more and more present and create something new. This new is a cosmos consisting only of language spoken and sung; as opposed to the ancient idea of a cosmos it is not a given order that guarantees stability but a space that continuously originates anew from different positions. It is the space(s) and the spacing in-between and beyond stability and instability, continuity and disruption we are trying to find and create.

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Narziss Echo | installation shot

This cosmos consists of a voice, of language spoken and sung but it is neither text nor sound, neither music nor literature as such we are producing; we try to open the space(s) in-between sound and meaning. So, although this cosmos carries songs and lyrical poetry parts, it is not a concert and it is not a reading you are listening to. It is only language we are working with (and not sound material of all sorts…) because we want to change the perspective from a space opened by language (an imaginary space, created e.g. by a story) to spaced language. We need this reduction and focus on words only in order to achieve a twist from story to space by using the same means: The cosmos created by language is not one that is merely being told, but it is here and now in the space of words and the words in space. This cosmos is not about a story, it is not about a dialogue; neither is it about physicality as opposed to meaning; and although there are more fragmented zones and more linear ones deconstruction and liquefying is not our main goal; neither is alienation of pre-existing sounds what we are working with (we record and then change very little, we don’t use effects…). Instead of or beyond fragmentation and linearity, beyond solid and liquid we try to think of the possibilities of aeriform movements; instead of or beyond deconstruction and alienation and thus working on the meaning and identity of words or sounds we want to space them. This asks for another practice, not only of making but also of listening to it and being in it. We don’t know it – we try it.

It is the mythological Echo, our preoccupation with her, that led us to such a space. The cave she turns into, the pure resonance she is, the voice that only answers and thus transforms enabled us to think of an Echo not as a poor and paranoid chamber of always the same but as a rich and full cosmos. Finally, all the material we produced during our long engagement with the myth, all the different words, tunes and rhythms we found in response to her: the melancholic, the somnambulant, the demanding, the sad and the desperate, the longing and the fulfillig… are building, forming and moving the narcotic Echo space of this piece.