Archiv für den Monat: Februar 2017

Narziss Echo – Premiere 16.3.2017 imagetanz Festival

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Narziss Echo, Modellansicht

EINE RAUMCHOREOGRAPHIE VON MORITZ MAJCE UND SANDRA MAN

»Nach ihrer letzten Arbeit Festung / Europa setzen Moritz Majce und Sandra Man mit Narziss Echo ihre Suche nach einer anderen Art des Zuschauens fort. In einer interdisziplinären Raumchoreographie mit Elementen aus bildender Kunst, Tanz und Theater benutzen die beiden Künstler den Mythos des Narziss als Quelle für ein Wechselspiel aus Hören und Schauen, das über Selbstsuche und Identifikation hinausgeht.« (brut Wien)

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Narziss Echo, Stillshot

Spätestens seit Trump globalisiert sich das Um-sich-selber-Kreisen des Individuums, der Narzissmus als totaler Selbstbezug ist die symptomatische Krankheit der Gegenwart. Der Mythos von Narziss ist das Porträt eines jungen Mannes, der sich in sein Spiegelbild verliebt und daran stirbt. Er ist auch die Geschichte der Nymphe Echo, die nur antworten kann. Sie verliebt sich in Narziss und wird von ihm zurückgewiesen. In ihrem Schmerz verwandelt sie sich in eine Höhle, in der jeder Klang widerhallt. Zum Narzissmus gehört die Echokammer.

 Resonanz und Reflexion, Blick und Stimme, Wort und Bild, im Mittelpunkt und überall sein sind die Bezüge eines Mythos, den wir als Quelle für ein Wechselspiel aus Hören und Schauen verwenden. Der totale Selbstbezug löst sich auf, zwei Sinnesräume öffnen sich.

RAUMCHOREOGRAPHIE: Moritz Majce + Sandra Man RAUM: Moritz Majce TEXT: Sandra Man STIMME: Christine Börsch-Supan TANZ: Charlie Fouchier

Choreographie gemeinsam mit Charlie Fouchier
Komposition gemeinsam mit Christine Börsch-Supan

Eine Koproduktion von Moritz Majce + Sandra Man mit imagetanz/brut Wien und Tanzfabrik Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) und des Hauptstadtkulturfonds Berlin (HKF).

Dank an Nir Vidan und Enrico L’Abbate für die gemeinsame Arbeit am Tanz und an E35 Shop (www.e35shop.com) für das Outfit für Charlie Fouchier.

Premiere: 16. März 2017, 19 Uhr (Theatersaal Bohemia)
Weitere Aufführungen: 17. und 18. März 2017, jeweils 19 Uhr

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brut Wien • Karlsplatz 5 • 1010 Wien
Tickets: 16 € / 12 € / 8 € • www.brut-wien.at • (01) 587 87 74

Raumchoreographie und Sprache

Raumchoreographie ist ein bestimmtes Verhältnis zum Schreiben, zum Sprechen und zum Text. Im Unterschied zum Theater ist der Text nicht Ausgangspunkt der Arbeit, sondern Teil von ihr; dennoch beansprucht er einen eigenständigen literarischen Status. Sprechen bzw. Stimme ist Material und Bewegung, nicht Spiel und Rolle. Inhaltlich und formal ist das bisher für Raumchoreographien entwickelte Schreiben lyrisch.

Einer der Gründe, warum wir angefangen haben, uns für Choreographie zu interessieren, war die Suche nach einer anderen Art des künstlerischen Schreibens und des Umgangs mit Sprache und Text. Und zwar nach einer Art, die primär und von Anfang an räumlich ist und spezifisch für die jeweilige Arbeit; das Schreiben dauert so die ganze Zeit der Stückentwicklung über an, der finale Text existiert nicht vor dem Stück: Er ist in Relation zu allen anderen Elementen und ändert sich mit ihnen mit.

Sprechen und Stimme denken wir als Weisen des sich-Bewegens: als Zusammenspiel von Atmung, Muskeln und Hohlräumen in einem Körper und als Schwingungen zwischen Körpern.

Lyrisch sind die bisher für Raumchoreographien geschriebenen Texte, weil sie wesentlich von Klang und Rhythmus bestimmt sind. Inhaltlich erschließen sie einen Welt-Raum aus organischen und anorganischen, animalischen, menschlichen und kosmischen Körpern in permanenter Transformation.

Eine raumchoreographische Sprachpraxis ermöglicht jenseits von Drama und Post-Drama Schreiben für und Sprechen auf der Bühne, das sich nicht an Fragen von Spiel, Rolle und Figur abarbeitet, sondern woanders ansetzt: im und zwischen Körper(n), im Raum, in den Bezügen und nicht in den Subjekten.