Bühnen-Bilder

MM: Was ich an der Idee der »Bühnen-Bilder« mag, ist, dass sie so einfach und selbstverständlich daher kommt. Meist versteht man unter Bühnenbild ja eine Art unterstützendes Beiwerk, das einem anderen, dem »eigentlichen« künstlerischen Hauptwerk (des Autors, Regisseurs, Schauspielers) untergeordnet ist und ohne das es unvollständig bleibt. Ein Auftragswerk ohne Anspruch auf Eigenständigkeit – weder selbstbestimmtes Werk der bildenden Kunst, noch unbedingt notwendiger Bestandteil des Theaters; eine Kunstform des Nebenschauplatzes. Bei den »Bühnen-Bildern« dagegen verschiebt sich die Zuweisung: vom unselbstständigen Weder-noch zum eigenständigen Sowohl-als-auch. »Bühnen-Bilder« sind Darsteller einer theatralen Szene und bleiben zugleich vollwertige Werke der bildenden Kunst. In gewisser Weise kann man sagen sie existieren im Zwischenraum. Wenn etwa in So Gut Wie Genug die Bilder einer Ausstellung revoltieren und den Ausstellungsraum zu ihrer Bühne machen, zu Zerr-Bildern verdrehen und biegen, sich über an sie gestellte Ansprüche lustig machen. Oder wenn die Kunstwerke in Jetzt Wird’s Ernst zu Doppelgängern mutieren und dabei realen und fiktiven Ausstellungsraum ineinander verschieben. »Bühnen-Bilder«, das sind für mich die Akteure einer Szene, »Werkdarsteller« – ohne deswegen ihren Status als eigenständiges Kunstwerk aufzugeben.

SM: Ihr Darstellersein hat damit zu tun, dass sie in Bewegung geraten sind; irgendetwas ist mit ihnen passiert, sie kommen von irgendwoher und sind irgendwohin unterwegs. Man begegnet ihnen in einem Zustand oder Moment, und dieser Moment ist eine Aufnahme; es gibt ein Davor und ein Danach, das in ihm mitschwingt. Dass alle Leinwände in So Gut Wie Genug geschwungen sind oder vielleicht besser noch: beschwingt, ist kein Zufall. Irgendetwas, ein Impuls, hat sie angestoßen, sie bewegen sich bzw. schwingen mit und in etwas mit, das man nicht hört. Das Davor und Danach ist nicht nur das einer Geschichte oder Handlung, sondern eines Rhythmus. Auf ihre Weise tanzen sie.