Raumchoreographie und Sprache

Raumchoreographie ist ein bestimmtes Verhältnis zum Schreiben, zum Sprechen und zum Text. Im Unterschied zum Theater ist der Text nicht Ausgangspunkt der Arbeit, sondern Teil von ihr; dennoch beansprucht er einen eigenständigen literarischen Status. Sprechen bzw. Stimme ist Material und Bewegung, nicht Spiel und Rolle. Inhaltlich und formal ist das bisher für Raumchoreographien entwickelte Schreiben lyrisch.

Einer der Gründe, warum wir angefangen haben, uns für Choreographie zu interessieren, war die Suche nach einer anderen Art des künstlerischen Schreibens und des Umgangs mit Sprache und Text. Und zwar nach einer Art, die primär und von Anfang an räumlich ist und spezifisch für die jeweilige Arbeit; das Schreiben dauert so die ganze Zeit der Stückentwicklung über an, der finale Text existiert nicht vor dem Stück: Er ist in Relation zu allen anderen Elementen und ändert sich mit ihnen mit.

Sprechen und Stimme denken wir als Weisen des sich-Bewegens: als Zusammenspiel von Atmung, Muskeln und Hohlräumen in einem Körper und als Schwingungen zwischen Körpern.

Lyrisch sind die bisher für Raumchoreographien geschriebenen Texte, weil sie wesentlich von Klang und Rhythmus bestimmt sind. Inhaltlich erschließen sie einen Welt-Raum aus organischen und anorganischen, animalischen, menschlichen und kosmischen Körpern in permanenter Transformation.

Eine raumchoreographische Sprachpraxis ermöglicht jenseits von Drama und Post-Drama Schreiben für und Sprechen auf der Bühne, das sich nicht an Fragen von Spiel, Rolle und Figur abarbeitet, sondern woanders ansetzt: im und zwischen Körper(n), im Raum, in den Bezügen und nicht in den Subjekten.